Menschenhandel v2

Menschenhandel

Menschenhandel ist die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder

Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung.

Palermo Protokoll, Art. 3 lit. a

Menschenhandel - Stereotypen durchbrechen

Viele Menschen haben, wenn sie das Wort “Menschenhandel” hören, ein Stereotyp vor Augen, das sie in einem Film gesehen haben. Von den Täter*innen, aber auch von den Opfern.

Menschenhandel hat allerdings viele Facetten und Erscheinungsformen und es ist wichtig, Klischees und Stereotypen zu durchbrechen, um alle Opfer identifizieren und diesen helfen zu können.

Über alle Formen von Menschenhandel und Ausbeutung zu sprechen ist auch deshalb wichtig, damit Betroffene selbst ihre Lage erkennen können. Wer ausschließlich die “Frau in Ketten, gefesselt an ein Bett” im Kopf hat, der bildet nur diesen Teil der Betroffenen ab und wird in vielen anderen Situationen nicht erkennen, dass er ein Menschenhandelsopfer vor sich hat oder haben könnte. Und auch Betroffene, die nur dieses Bild im Kopf haben, werden häufig nicht erkennen können, dass sie betroffen sind.

Daher ist es wichtig, dass wir über alle denkbaren (Erscheinungs-)Formen von Menschenhandel sprechen sowie auch über das Thema des "Trauma-Bonding" im Rahmen von Menschenhandel und Ausbeutung. Es ist auch wichtig, die unter anderem psychischen und physischen Folgen von Gewalt, Menschenhandel und Ausbeutung zu sehen, die vielfältig sein können. Die "freiwillige" Prostitution kann auch eine mögliche Folge von (sexueller) Gewalt, Menschenhandel und Ausbeutung sein.

Multiple Szenarien von Menschenhandel

Menschenhändler können einzeln, aber auch in kleinen oder großen Netzwerken der organisierten Kriminalität operieren.

Menschenhandel kann grenzüberschreitend stattfinden (“transnational trafficking”), eine Überschreitung von Ländergrenzen ist aber keine Voraussetzung für Menschenhandel (“domestic trafficking”). Menschenhandel findet auch online statt (“cyber-trafficking”). Hier kann es auch zu mehreren Formen und Überschneidungen kommen.

Menschenhändler können fremde Personen sein, die Opfer können ihre Menschenhändler aber auch persönlich kennen, zum Beispiel können dies Familienmitglieder sein (inkl. Eltern, Onkel und Tanten), Geliebte oder Verlobte, Arbeitgeber*innen, Kolleg*innen, Nachbar*innen oder andere Bekannte.

National Referral Mechanisms, Joining Efforts To Protect The Rights Of Trafficked Persons, A Practical Handbook, Second Edition, OSCE/ODIHR, 2022, S. 56.

Menschenhändler erkennen

Für Opfer von Menschenhandel ist es besonders schwierig zu erkennen, wenn eine Person, die sich in der eigenen Familie befindet und ihnen gegenüber eine Fürsorgepflicht hat, oder die ihnen in anderem Sinne nahe steht, an dem Menschenhandel beteiligt ist. In manchen Fällen können sie vielleicht nie erkennen, dass eine Person, die ihnen wichtig ist oder die sie tief zu kennen glaubten, mit ihrem Menschenhandel in Verbindung steht. 

National Referral Mechanisms, Joining Efforts To Protect The Rights Of Trafficked Persons, A Practical Handbook, Second Edition, OSCE/ODIHR, 2022, S. 56.

Nach wem suchen Menschenhändler?

Menschenhändler suchen aktiv nach Personen [zum aller größten Teil nach jungen Mädchen und Frauen], die eine oder mehrere Vulnerabilitäten aufweisen, die die Menschenhändler ausnutzen, um die Betroffenen gezielt für den Menschenhandel anzuvisieren und sie so gewinnbringend wie möglich auszubeuten.

Die Vulnerabilitäten können aus dem Familienhintergrund entstammen, sie können aber auch Folge von Ausgrenzungen und Diskriminierungen sein oder sich aus Gesundheitsproblemen und Behinderungen ergeben. Des Weiteren auch aus Substanzabhängigkeiten und persönlichen Lebensumständen und Situationen.

National Referral Mechanisms, Joining Efforts To Protect The Rights Of Trafficked Persons, A Practical Handbook, Second Edition, OSCE/ODIHR, 2022, S. 57 – S. 64.

Methoden der Menschenhändler I

Es gibt mehrere Methoden von Menschenhändlern, ihre Opfer in die Ausbeutung zu bringen. Diese Methoden entwickeln und ändern sich auch. Fachleute sollten sich darauf einlassen, von Betroffenen Methoden und Praktiken zu lernen, von denen sie zuvor noch nichts gehört haben, und diese weiter zu untersuchen, anstatt sie frühzeitig als unglaubwürdig oder unwahrscheinlich abzutun.

National Referral Mechanisms, Joining Efforts To Protect The Rights Of Trafficked Persons, A Practical Handbook, Second Edition, OSCE/ODIHR, 2022, S. 73.

Methoden der Menschenhändler II

Häufige Methode: Täuschung

In vielen Fällen spielt die Täuschung eine zentrale Rolle. Nicht selten bauen Menschenhändler über einen längeren Zeitraum, manchmal über Monate oder auch über Jahre hinweg, Vertrauen auf, immer mehr auch über das Internet.

Vorgetäuschte Liebesbeziehungen (“Loverboy”-Methode oder auch “Romeo”-Trafficking genannt) oder vorgetäuschte Fürsorgebeziehungen oder Freundschaften sind häufig, genauso wie Täuschungen über eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle und ein besseres Leben.

National Referral Mechanisms, Joining Efforts To Protect The Rights Of Trafficked Persons, A Practical Handbook, Second Edition, OSCE/ODIHR, 2022, S. 73.

Methoden der Menschenhändler III

Weitere Methoden:

Der Prozess des Menschenhandels kann beinhalten:

[1. Tathandlung]

Die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen 

[2. Tatmittel]

durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat,

[3. Zweck]

 zum Zweck der Ausbeutung.

Palermo Protokoll, Art. 3 lit. a

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